2.5 Dritte Generation 

Die Version 8.04 »Hardy Heron« ist der Abschluss der zweiten Ubuntu-Generation und stellt damit gleichzeitig einen Wendepunkt dar. Mit dem Erscheinen der Version 8.10 beginnt ein neuer Entwicklungszyklus. Die neue Generation wird sich abermals über vier Versionen erstrecken und im April 2010 in eine LTS-Version münden.
2.5.1 8.10 – »Intrepid Ibex« 

Ubuntu 8.10 erschien am 27.10.2008 und war die erste Version der dritten Ubuntu-Generation. Ähnlich wie die Version 6.10, die der vorherigen LTS-Version 6.06 folgte, glänzte auch die Version 8.10 nicht gerade durch Zuverlässigkeit.
Es gab zahlreiche Probleme mit dem neuen Kernel, der nicht lange genug getestet worden war. Dies äußerte sich beispielsweise in fehlerhaften WLAN-Konfigurationen.
Abbildung 2.22 Der Anmeldebildschirm von Ubuntu 8.10 »Intrepid Ibex«
Ähnlich wie »Edgy Eft«
Aus der Erfahrung mit zwei LTS-Nachfolgeversionen (6.10 und 8.10) muss man beim bisherigen Kenntnisstand sagen, dass die Versionen, die direkt auf eine LTS-Veröffentlichung erscheinen, nicht für den produktiven Einsatz zu empfehlen sind. Die Gründe hierfür sind teilweise unterschiedlich, aber ein Grund leuchtet sofort ein: Die vorhergehenden LTS-Versionen sind auf größtmögliche Stabilität ausgelegt, sodass viele Veränderungen an Ubuntu während der Entwicklung dieser LTS-Version verschoben werden. Dadurch stauen sich die Veränderungen, und die Version LTS+1 kommt in den zweifelhaften »Genuss« von besonders vielen Veränderungen.
| Ubuntu 8.10 | |
|
Entwicklungsname |
Intrepid Ibex |
|
Übersetzung |
Unerschrockener Steinbock |
|
Kernel |
2.6.27 |
|
GNOME |
2.24 |
|
Erscheinungsdatum |
30.10.2008 |
|
Unterstützung bis |
April 2010 |
In Version 8.10 sollten vor allem die Roaming-Fähigkeiten mobiler Systeme verbessert werden, um beispielsweise bei ausreichender Netzverfügbarkeit auf dem Weg beispielsweise vom Büro nach Hause nie die Internetverbindung zu verlieren. Darüber hinaus soll weiter an der Verbesserung der Benutzerinteraktion gearbeitet werden.
Auch bei der Folgeversion von »Hardy Heron« gab es ein Hintergrundbild, das das jeweils passende Tier zum Entwicklungsnamen darstellt (siehe Abbildung).
Abbildung 2.23 Der Desktop von Ubuntu 8.10 »Intrepid Ibex«
2.5.2 9.04 – »Jaunty Jackalope« 

Im April 2009 erschien die mittlerweile zehnte Version von Ubuntu, deren Entwicklungsname mit »Lebhafter Wolpertinger« übersetzt werden kann. Der Wolpertinger ist ein süddeutsches Fabelwesen, dessen genauer Ursprung unklar ist. Im 19. Jahrhundert begannen Tierpräparatoren damit, Präparate aus Körperteilen von unterschiedlichen Tierarten zusammenzusetzen, um diese an leichtgläubige Touristen zu verkaufen.
Auch wenn der Wolpertinger ein Fabelwesen ist, so soll Ubuntu 9.04 Sie nicht an der Nase herumführen. Das Fabelwesen ist vielmehr als Synonym für den Umbruch zu verstehen, in dem sich Ubuntu gerade befindet. Ubuntu hat sich auf dem Markt der Betriebssyteme etabliert und hat inzwischen eine erstaunliche Akzeptanz erreicht. Für diesen Erfolg sind grundlegende Tugenden von Linux (beispielsweise die Stabilität und Sicherheit) in Verbindung mit einer bis dato nicht gekannten Benutzerfreundlichkeit verantwortlich.
Abbildung 2.24 Darstellung eines Wolpertingers (Gemälde von Albrecht Dürer)
Kurz nach der Fertigstellung des Vorgängers Ubuntu 8.10 kristallisierten sich neue zusätzliche Entwicklungsschwerpunkte heraus. Diese betrafen in erster Linie folgende Bereiche:
- Desktop Experience Linux hat gegenüber der vermeintlichen Konkurrenz in seinem optischen Auftreten noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Allgemein sollte sich nach Meinung von Mark Shuttleworth Linux mehr an OS X von Apple orientieren.
- Ergonomie Die Bedienung und das Erscheinungsbild einer modernen Linux-Distribution ist nicht konsistent. Unterschiedliche Programme erfordern teilweise ein erhebliches Umdenken in der Bedienung. Aber auch die Art, wie die Programme mit Ihnen kommunizieren, unterscheidet sich von Anwendung zu Anwendung.
- Geschwindigkeit und Mobilität Diese beiden Bereiche hängen eng miteinander zusammen. Nicht zuletzt durch den großen Erfolg der sogenannten Netbooks rückt eine alte Stärke von Linux wieder in den Vordergrund, die in den letzten Versionen von Ubuntu stark vernachlässigt wurde: die Geschwindigkeit des Systems und die damit verbundene Sparsamkeit in den Hardware-Anforderungen. Bei allem Lob für Ubuntu konnte man in der Vergangenheit beobachten, dass jede neue Version konstant an Ausführungsgeschwindigkeit einbüßte.
In Version 9.04 kann Ubuntu erstmals auf eine ext4-Partition installiert werden. Ext4 ist ein modernes Dateisystem, das ähnlich wie beispielsweise HFS+, XFS oder ZFS, die Funktion »delayed allocation« benutzt. Das bedeutet, Schreibzugriffe auf Dateien werden deutlich länger als beispielsweise bei ext3 im Speicher zwischengelagert – nun ungefähr 60 Sekunden statt den üblichen 5 Sekunden bei ext3. Dies verbessert zwar die Zugriffsgeschwindigkeit und reduziert die Fragmentierung, hat aber zur Folge, dass es bei Abstürzen des Rechners oder erst recht bei spontanem Ausschalten zu Datenverlusten kommt.
| Ubuntu 9.04 | |
|
Entwicklungsname |
Jaunty Jackalope |
|
Übersetzung |
Lebhafter Wolpertinger |
|
Kernel |
2.6.28 |
|
GNOME |
2.26 |
|
Erscheinungsdatum |
23.04.2009 |
|
Unterstützung bis |
Oktober 2010 |
Ergonomie
An Stelle der vertrauten Icons im Benachrichtigungsfeld, die ersatzlos entfernt wurden, öffnen sich in Jaunty nun automatisch entsprechende Fenster, die sich nicht wie herkömmliche Popups in den Vordergrund drängen, sondern stattdessen ohne Fokus und im Hintergrund von laufenden Anwendungen erscheinen sollen.
Abbildung 2.25 Der Standard-Desktop von Ubuntu 9.04
Die Begründung für den neuen Ansatz ist die Erkenntnis, dass das bestehende Konzept des Benachrichtigungsfeldes verworren und kompliziert ist. Was dort im Panel auftaucht, ist inkonsistent: Teilweise missbrauchen Anwendungen das Benachrichtigungsfeld für Statusanzeigen, und auch die verschiedenen Desktop-Umgebungen verursachen hier Wildwuchs. Ein weiteres Argument, gerade was die Benachrichtigung bei verfügbaren Updates und besonders Sicherheitsupdates angeht, besagt, dass einige Benutzer die vorhandenen Benachrichtigungssymbole nicht zu deuten wüssten oder mit ihrer Handhabung überfordert wären. Man verspricht sich also einen Sicherheitsgewinn, wenn man den Update-Manager direkt einblendet und ansonsten mit dem Benachrichtigungsfeld aufräumt, oder es zumindest für distributionskritische Anwendungen nicht mehr nutzt.
Übrigens ist es im Zusammenhang explizit so gewollt, dass die neuen schwarzen Benachrichtigungskästchen verschwinden, sobald man mit der Maus darüber fährt. Das neue Benachrichtigungssystem soll ausdrücklich nicht interaktiv sein und hat darüber hinaus derzeit noch einige Schwächen, die erst mit der nächsten Ubuntu-Version behoben sein sollen:
- USB-Geräte werden weder beim Ein- noch beim Aushängen beachtet. Unter normalen Umständen führt dies zu keinen Problemen, da die Dateioperationen (beispielsweise Kopieren) grafisch angezeigt werden und der Stick nach Abschluss dieses Vorgangs auch wirklich entfernt werden kann. Allerdings kann es in unter bestimmten Konstellationen zu Datenverlust kommen, wenn Sie beispielsweise den USB-Stick zu früh abziehen.
- Der Firefox ist nicht eingebunden und bringt nach wie vor seine eigenen Benachrichtigungen (Downloads und RSS-Feed-Updates) mit.
- Die Hinweisboxen lassen sich weder im Aussehen anpassen noch positionieren.
- Die Nachrichten erscheinen lediglich einmalig und es gibt keine History, in der man sich die älteren Nachrichten noch einmal ansehen kann (weil man eventuell gerade nicht am PC war).
| Das alte Update-Verhalten wieder herstellen |
|
Die neue Art der Aktualisierungsverwaltung sorgt auch dafür, dass das aus älteren Versionen bekannte Hinweis-Icon entfällt, das den Anwenden auf anstehende Aktualisierungen hinweist. Stattdessen startet die Aktualisierungsverwaltung automatisch, wenn »normale« Aktualisierungen seit mindestens 7 Tagen vorliegen. Über sicherheitsrelevante Aktualisierungen werden Sie innerhalb von 24 Stunden informiert. Mit dem Befehl |
| gconftool -s --type bool /apps/update-notifier/auto_launch false |
|
im Terminal können Sie das von älteren Ubuntu-Versionen gewohnte Verhalten wieder herstellen. Das Terminal erreichen Sie im gestarteten System über Anwendungen • Zubehör • Terminal. |
Höhere Geschwindigkeit
Sowohl der Systemstart als auch das Herunterfahren ist deutlich schneller geworden. Gegenüber dem Vorgänger Ubuntu 8.10 wurde eine Verkürzung um ca. 30 Prozent erreicht. Diesen beträchtlichen Geschwindigkeitszuwachs erreichten die Entwickler durch eine deutlich verkleinerte Init-RAM-Disk und durch zahlreiche Optimierungen an den Init-Skripten. Sie erfahren mehr über den Ubuntu-Start in Abschnitt »Details des Bootvorgangs«.








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