8.4 UbuntuStudio – Die Multimedia-Zentrale 

UbuntuStudio ist speziell auf die Anforderungen von Audio-, Grafik- und Videobearbeitung ausgerichtet. Für solche Zwecke wurde den Ubuntu-Quellen ein Kernel mit Echtzeitfunktionen hinzugefügt, der allerdings keine Energiesparfunktionen unterstützt. Als Audio-Backend dient das Programm JACK.
Außerdem gehören diverse Programme aus dem Multimedia-Bereich zum Umfang, wie beispielsweise CinePaint, die Videobearbeitung Kino, der Audio-Sequenzer Rosegarden, der Audio-Editor Ardour oder das DTP-Programm Scribus. Die erste stabile Version ist am 10. Mai 2007 erschienen und basiert auf Ubuntu 7.04. Diese wird als einzige Ubuntu-Version als ein DVD-Image mit knapp 1,1 GB ausgeliefert.
Im April 2008 wurde eine neue, auf Ubuntu 8.04 basierende Version veröffentlicht. Diese ist auch für AMD64 verfügbar. Auf der Ubuntu-Homepage wird UbuntuStudio als »Recognized Derivative« (anerkanntes Derivat) aufgeführt.
UbuntuStudio ist ein ambitionierter Versuch, Linux zur Multimedia-Zentrale für die Bereiche
- Audioproduktion,
- Bildbearbeitung und
- Videoschnitt
zu machen. Dies sind alles Bereiche, in dem Open-Source-Software bislang noch ein Schattendasein fristet. Wichtige Konkurrenten sind Adobe Creative Suite oder Apple Final Cut Studio.
So gibt es zwar schon seit Jahren viel versprechende Projekte, die den kommerziellen Produkten quelloffene Konkurrenz machen wollen, den großen Durchbruch hat Open-Source-Software im Medienbereich aber bis heute nicht geschafft. Es gibt zu viele zerklüftete Projekte und eine zu etablierte Konkurrenz. Branchenstandards wie Photoshop sind kaum vom Thron zu stoßen und gestatten nur wenig Konkurrenz neben sich.
Unter dem Dach des Projekts sind alle prominenten und unbekannteren Medien-Helfer vereint:
- Bildbearbeitung Gimp, Blender, Inkscape
- Videoschnitt Kino, CinePaint und Pitivi Video Editor
- Audioproduktion Audacity, Ardour und viele mehr
Somit gibt es mit UbuntuStudio ein komplettes Medien-Linux, das direkt nach der Installation funktioniert. Es ist kein Hantieren mit Installationspaketen erforderlich, sondern alles ist in einem einzigem DVD-Image enthalten und wird in einem Rutsch installiert. Die offizielle Homepage des Projekts finden Sie unter www.ubuntustudio.org.
Installation
Ubuntu Studio kann eigenständig installiert oder auf Basis eines bestehenden Ubuntu-Systems ergänzt werden. Die erste verfügbare Version von UbuntuStudio basierte auf Ubuntu 7.04. Seit Ubuntu 7.10 »Gutsy Gibbon« ist Ubuntu Studio über die offiziellen Quellen verfügbar.
Bereits im Installationsverlauf haben Sie die Möglichkeit, zu wählen, ob das System auf Ton-, Video-, Grafikbearbeitung oder alles gemeinsam ausgerichtet sein soll. Die Setup-Routine überträgt die notwendigen Software-Pakete in das Betriebssystem und übernimmt auch die Konfiguration der Programmteile. So steht auch unerfahrenen Anwendern ein funktionierendes Linux mit allen Applikationen für Büro- und Multimedia zur Verfügung.
Setup
Das Setup des Betriebssystems ist in wenigen Schritten erledigt und weitestgehend selbsterklärend, da der UbuntuStudio-Installationsassistent kaum Optionsauswahlen anbietet. Lediglich dem Screen Software Selection sollten Sie größere Aufmerksamkeit widmen: hier legen Sie fest, welche Paketgruppen (Audio, Graphics, Plugins, Video) auf die Festplatte übertragen werden sollen. Bei einer vollständigen Installation aller Komponenten sind nach dem Setup knapp 5 GB Festplattenplatz belegt.
Aussehen
Nach dem ersten Start erscheint Ubuntu zwar mit einem neuen Desktop-Theme, aber trotzdem im bekannten Ubuntu-Stil. Das Startmenü finden Sie oben links. Ein erster Blick in die sauber angeordneten Untermenüs von Büro, Grafik, Internet, Unterhaltungsmedien und Zubehör bietet Ihnen zahllose Studio-Anwendungen.
Audio- und Videoprogramme finden Sie bei den Unterhaltungsmedien. Je nach Funktion können Programme auch in mehreren Kategorien auftauchen, beispielsweise das Malwerkzeug CinePaint, das sowohl unter Grafik als auch bei Videoproduktion aufgelistet ist.
Enthaltene Programme
Vom Umfang her hat UbuntuStudio einiges zu bieten:
- Kino eignet sich für den DVD-Videoschnitt,
- CinePaint kann Videos Bild für Bild verändern.
- Gimp und seine Fähigkeit, Fotos zu manipulieren, ist bekannt.
- Ardour ist ein Mehrspur-Audio-Editor.
Das Multimedia-Paket von UbuntuStudio umfasst Dutzende Programme. Darunter sind bekanntere und unbekannte, umfangreiche und kleinere. Für jede Funktion ist oft nicht nur ein einziges Programm zugewiesen. Teilweise überschneiden sich die Projekte. Echte Doppelungen funktionsgleicher Software gibt es aber dennoch nicht. In den vielen unterschiedlichen Programmen zeigt sich das Dilemma der Open-Source-Welt: Kleine Projekte stehen oft nur für sich, ohne Anschluss an andere.
Bei kommerziellen Kreativ-Suiten arbeiten alle enthaltenen Progamme wie selbstverständlich Hand in Hand zusammen. Die Profi-Programme sind auf Workflow ausgelegt – auf effiziente Arbeitsabläufe. Hier ist die Open-Source-Fraktion etwas benachteiligt. Denn die heterogenen Programme unterschiedlicher Herkunft arbeiten meist überhaupt nicht miteinander zusammen. Damit kann der Prozess von der Idee bis zum fertigen Produkt also einige Biegungen und Hürden mehr haben.
Abbildung 8.51 Ardour
Keine Konkurrenz
UbuntuStudio stellt lediglich eine Zusammenstellung der bereits existierenden Open-Source-Medienprogramme dar.Ob 3D-Modellierung mit Blender, Podcasten mit Audition und Ardour oder Bildbearbeitung mit Gimp: Die einzelnen Projekte sind durchaus auch für Profis interessant. Unter der Haube gibt es zudem einen Unterschied zum Standard-Ubuntu: Der Kernel ist hier besonders auf Echtzeit-Anwendungen spezialisiert. Eine ernsthafte Bedrohung für teure Profi-Pakete kann und will das Projekt also noch nicht sein. Erste Erfahrungen können Sie mit diesem Open-Source-Projekt aber bedenkenlos sammeln, denn einen entscheidenden Vorteil hat UbuntuStudio: Neugierige müssen kein Geld für ihre ersten Experimente für teure, proprietäre 3D- oder Musik-Software ausgeben.
Noch nicht ausgereift
Allerdings sind viele Programme noch nicht so ausgereift wie professionelle Anwender sich dies wünschen würden. Besonders der Videobereich ist noch nicht weit entwickelt. Die Programme bieten nur wenig Funktionen und erweisen sich in der Praxis als instabil. Im Grafik- und Audiosektor hingegen sind die Programme bereits etwas ausgereifter. Ein weiteres Highlight ist Scribus zum Open-Source-Desktop-Publishing. Hiermit entstehen auf einfache Art und Weise Druckerzeugnisse wie Flyer, Artikel oder Flugblätter.





Jetzt bestellen







