9.5 Echtzeit-Kommunikation 

Die Voice-over-IP-Technik (kurz: VOIP) schickt sich derzeit an, den Kommunikationsmarkt ordentlich aufzumischen. Aber nicht nur die Telefonie über Internet, sondern auch das Durchführen von Videokonferenzen ist unter Ubuntu Linux leicht realisierbar. Der folgende Abschnitt stellt die bekanntesten Lösungen vor.
9.5.1 Internettelefonie 

Beginnen wir mit einer freien Telefonie-Software. Die Software Ekiga arbeitet mit dem verbreiteten SIP-Protokoll (Session Initiation Protocol). Dieses übernimmt lediglich die Koordination und signalisiert im Prinzip nur das Hereinkommen eines Gesprächs. Die eigentliche Datenübertragung erfolgt über das Realtime Transport Protocol (RTP). Die Teilnehmer besitzen SIP-Adressen der Form sip:Benutzername@Host. Wer Internettelefonie langfristig betreiben möchte, der kommt um einen Account bei den gängigen Providern nicht herum.
Das Programm tritt in der Version 3.0 mit einer überarbeiteten Oberfläche an und lässt sich kostenlos nach vorheriger Registrierung unter http://www.ekiga.net nutzen. Die Video-Kommunikation wurde deutlich leistungsfähiger gemacht und neue Codecs integriert.
Ein erster Test kann zunächst im heimischen Netz zwischen zwei PCs (z. B. Desktop oder Laptop) erfolgen. Für das folgende Beispiel werden wir einen PC mit der IP-Adresse 192.168.0.1 mit einem Laptop (IP-Adresse: 192.168.0.2) verbinden. Dazu sollte auf beiden Rechnern die Soundhardware (Lautsprecher/Kopfhörer, Mikrofon) konfiguriert sein. Ideal ist hierbei die Verwendung eines USB-Headsets, dessen Einrichtung im Folgenden noch einmal kurz besprochen wird. Alternativ können Sie aber mittlerweile auch Bluetooth-Headsets verwenden. USB-Soundhardware hat den Vorteil, dass sie digitale Signale direkt ohne Umweg über die Soundkarte liefert.
Konfiguration der Hardware
Schließen Sie das Headset an einen freien USB-Port Ihres Rechners an, warten Sie einen Augenblick, und öffnen Sie das GNOME-Audiokonfigurations-Applet (System • Einstellungen • Audio). Wählen Sie hier unter der Rubrik Default Sound Card das hoffentlich erkannte Headset aus.
Abbildung 9.19 Einstellung der Pegel des Headsets
Pegel kontrollieren
Nun müssen Sie noch den Wiedergabe- und Aufnahmepegel einstellen und testen. Öffnen Sie dazu das Mixer-Applet (Rechtsklick über dem Lautsprechersymbol im Panel bzw. Anwendungen • Unterhaltungsmedien • Lautstärkeregler). Hiermit können Sie über Datei • Gerät wechseln zunächst das Headset auswählen und schließlich die Aussteuerung für Mikrofon und Kopfhörer justieren (Abbildung). Bei der Kontrolle des Mikrofonpegels hilft das Menü Anwendungen • Unterhaltungsmedien • Aufnahmepegelanzeige.
Einrichtung der Software
Starten Sie nun das Programm Ekiga auf beiden Rechnern (Anwendungen • Internet • Ekiga bzw. durch Eingabe von ekiga in einer Shell). Zunächst sollten Sie testen, ob die Soundhardware innerhalb des Programms korrekt erkannt wurde. Wechseln Sie zu diesem Zweck zum Menü Bearbeiten • Einstellungen, dort zum Untermenü Audio • Geräte, und wählen Sie dort Ihr Headset aus. Nun können Sie prüfen, ob der Kommunikationspartner im LAN erreichbar ist. Geben Sie im Eingabefeld die SIP-Adresse des Gegenübers ein, und klicken Sie auf den grünen Hörer-Button (Abbildung). Der Partner muss nun den Anruf mit dem entsprechenden Button bestätigen, und das Gespräch kann beginnen.
Abbildung 9.20 Die VOIP-Software Ekiga
Probleme durch Firewalls
Probleme können gegebenenfalls auftreten, wenn die Kommunikation durch eine Firewall läuft. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Firewall auf den Ports 7078/udp und 5060/udp geöffnet wird. Sollten Sie einen Router verwenden, so müssen diese beiden Ports auf die interne IP-Adresse des entsprechenden PCs weitergeleitet werden. Eine andere Alternative, die auch bei geschlossenen Firewalls funktioniert, ist die Verwendung des Zusatzprotokolls STUN (Simple Traversal of UDP via NATs). Leider wird dieses Zusatzprotokoll derzeit von Linphone noch nicht unterstützt.
Gespräch über das Internet führen
Wenn Sie international per VOIP telefonieren möchten, sollten Sie sich einen Account bei einem der gängigen Anbieter beschaffen. Eine Marktübersicht finden Sie unter http://www.onlinekosten.de/voip/anbieter.
Generell gilt: Anrufe von PC zu PC sind innerhalb des gleichen Netzes kostenlos. Möchte man auch in das Festnetz telefonieren, so fallen Gebühren von circa 1,0 ct/min an, Gespräche in die Mobilfunknetze kosten circa 20 ct/min. Für Einsteiger eignen sich insbesondere die Anbieter Sipgate (www.sipgate.de), Freenet (www.freenet.de) und web.de (www.web.de).
Abbildung 9.21 Konfiguration des Sipgate-Anschlusses
Das Festnetz erreichen
Möchten Sie ins Festnetz telefonieren, so müssen Sie lediglich den Proxy-Server des SIP-Providers im Menü unter Einstellungen • SIP definieren. Zudem müssen Sie die eigene, vom Provider zugewiesene SIP-Adresse angeben (Abbildung). Die Verbindung selbst erfolgt dann analog zur im letzten Abschnitt beschriebenen Verfahrensweise. Für Festnetzverbindungen müssen Sie das Nummernwahlpad verwenden, das sich hinter der Schaltfläche Mehr anzeigen • DTMF verbirgt. Um einen Festnetzteilnehmer anzurufen, wählen Sie am besten im Format <Länderkennung><Ortsnetzvorwahl ohne Null><Rufnummer>.
KPhone
Nicht nur KDE-Anwender sind von der Software KPhone angetan. Im Gegensatz zu Ekiga funktioniert hier auch das STUN-Verfahren. Sie installieren KPhone durch das gleichnamige Paket.
Unter GNOME sind einige zusätzliche KDE-Bibliotheken erforderlich, was aber bei Verwendung von Synaptic bzw. apt-get automatisch berücksichtigt wird. Die Konfiguration des Programms ähnelt der Verfahrensweise bei Linphone. Zusätzlich haben Sie die Möglichkeit, eine Webcam für Videokonferenzen zu integrieren.
Abbildung 9.22 KPhone – Voice over IP unter KDE
Möchten Sie die Nutzung eines Providers umgehen, so bietet es sich an, einen Account bei dyndns.org zu reservieren und Ihren Kommunikationspartnern die URL zukommen zu lassen. Auf diese Weise können Sie ein komplett freies Kommunikationsnetz einrichten.
9.5.2 Videokonferenzen 

Ekiga
Der nächste Schritt besteht darin, den Kommunikationspartner nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen. Das entsprechende Werkzeug zu diesem Zweck ist ebenfalls das Programm Ekiga (Anwendungen • Internet • Ekiga). Nachdem im vorigen Abschnitt bereits das Mikrofon zur Übertragung von Audiosignalen justiert wurde, muss nun noch die Webcam angeschlossen werden. Die Verfahrensweise dazu wird in Abschnitt auf Seite beschrieben, sodass wir bei der folgenden Beschreibung von einer komplett vorkonfigurierten Hardware-Infrastruktur ausgehen.
Abbildung 9.23 Der Ekiga-Konfigurations-Assistent
Der Konfigurations-Assistent
Beim ersten Start von Ekiga durchlaufen Sie den Konfigurations- Assistenten. In den einzelnen Phasen gehen Sie folgendermaßen vor:
- Nach Bestätigung des Begrüßungstextes geben Sie zunächst Ihren Namen sowie IhreE-Mail-Adresse an. Letztere ist insbesondere wichtig, um sich beim Ekiga-Benutzerverzeichnis anzumelden. Mit der erzeugten »callto«-Adresse sind Sie künftig im Ekiga-Netz erreichbar. Um sich in dem Verzeichnis anzumelden, entfernen Sie bitte den Haken im unteren Fensterbereich.
- In den nächsten Schritten definieren Sie den Verbindungstyp sowie den NAT-Router. Klicken Sie im entsprechenden Menü auf Nat-Typ erkennen. Gegebenenfalls empfiehlt das Programm, das STUN-Protokoll bzw. einen STUN-Server zu verwenden, was bestätigt werden sollte.
- Nun beginnt die Hardware-Einrichtung. Für Ihre Audio-Hardware sollten Sie die ALSA-Schnittstelle verwenden. Als Gerät für Aufnahme und Wiedergabe wählen Sie Ihr Headset aus. Zudem haben Sie hier die Möglichkeit, die Funktion des Systems zu testen (Abbildung).
- Als Video-Manager sollte V4L (Video for Linux) verwendet werden. Auch bei der Video-Hardware empfiehlt es sich, den angebotenen Test durchzuführen.
- Im letzten Schritt werden die Einstellungen noch einmal aufgelistet. Wichtig ist dabei die generierte callto-Adresse der Form callto:ils. seconixcom/<E-Mail-Adresse>. Unter dieser Adresse sind Sie nun für Ihre Gesprächspartner weltweit erreichbar.
Damit wäre die Konfiguration abgeschlossen, und das Ekiga-Hauptprogramm öffnet sich. Zunächst sollten Sie durch Betätigen des Webcam-Symbols Ihr eigenes Kamerabild testen. Anschließend können Sie durch Eingeben einer callto-Adresse die eigentliche Videokonferenz starten. Sollten Sie niemanden kennen, mit dem Sie in Verbindung treten können, so können Sie das Benutzerverzeichnis aus der Symbolleiste aufrufen und sich jemanden aussuchen, der Kontakte akzeptiert (siehe Kommentarzeile im Benutzerverzeichnis). Dadurch lassen sich Videokonferenzen rund um den Globus abhalten.
| Parallelwelten erreichen: Amsn |
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Obwohl GnomeMeeting auch mit einigen Tricks Verbindungen zu Netmeeting-Clients aus der Windows-Welt aufnehmen kann, bietet sich hier ein anderes Programm an: Mit dem Microsoft Messenger harmoniert am besten das Linux-Paket amsn (Alvaro's MSN Messenger). Installieren Sie den Messenger über |
| sudo apt-get install amsn |
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und starten Sie das Programm durch Eingabe von amsn in einer Konsole. Die Konfiguration ähnelt der des Microsoft-Programms. Sie haben die Möglichkeit, sich über das Programm beim MSN-System anzumelden und dort ein Konto einzurichten. |









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