13.2 Integrierte Entwicklungsumgebungen 

Bequemer mit IDE
Wesentlich bequemer als über die im vorangegangenen Abschnitt vorgestellte Kompilierung per Kommandozeile arbeitet es sich mit sogenannten integrierten Entwicklungsumgebungen (Integrated Development Environment = IDE). Damit lassen sich Programme erstellen und testen, ohne die zentrale Programmierumgebung verlassen zu müssen. Mit entsprechenden Plug-ins ist es sogar möglich, grafische Frontends »zusammenzuklicken«.
13.2.1 Anjuta 

Die integrierte Entwicklungsumgebung für C/C++-Projekte, die in Verbindung mit dem GTK+-Toolkit realisiert werden sollen, heißt Anjuta.
Abbildung 13.3 Die Anjuta-IDE
Installation
Für das Erstellen grafischer Applikationen unter GNOME müssen Sie die IDE selbst sowie folgende Pakete installieren:
- anjuta
- automake
- glade-2
- libglib2.0-dev
- libgnomeui-dev
Das Paket glade-2 stellt dabei einen Editor für die grafische Oberfläche zur Verfügung.
Nach der Installation befindet sich das Programm im GNOME-Startmenü unter Entwicklung • Anjuta IDE. Beim ersten Programmstart öffnen sich ein Disclaimer sowie ein Projektfenster, in dem Sie die Möglichkeit haben, ein Standardprojekt mithilfe eines Anwendungsassistenten anzulegen.
Anjuta-Tutorial
Es würde an dieser Stelle zu weit führen, die Erstellung eines kompletten Projekts mit Anjuta vorzuführen. Interessierte Leser seien auf das hervorragende Anjuta-Tutorial verwiesen, das Sie im Menü Hilfe • Anjuta Tutorial finden.
13.2.2 KDevelop 

Das KDE-Gegenstück zu Anjuta heißt KDevelop und eignet sich insbesondere dazu, KDE/QtAnwendungen zu programmieren.
Das KDevelop-Projekt wurde 1998 am Institut für Informatik an der Universität Potsdam begonnen, um eine einfach zu bedienende integrierte Entwicklungsumgebung für C++ und C auf Unix-basierten Betriebssystemen bereitzustellen. Seit damals ist die KDevelop-IDE öffentlich unter der GPL erhältlich und unterstützt u. a. Qt-, KDE-, GNOME-, C++- und C-Projekte.
Installation
Installiert wird KDevelop über folgende Pakete:
- kdevelop3
- kdevelop3-doc
- kdevelop3-data
- kdevelop3-plugins
Dabei werden auch weitere notwendige Pakete wie z. B. automake installiert. Nach der Installation finden Sie das Programm im KDE-Startmenü unter Entwicklung • KDevelop.
KDevelop bietet wie Anjuta einen Assistenten zur automatischen Erstellung von Standardanwendungen. Diesen starten Sie über Projekt • Neues Projekt (siehe Abbildung).
Abbildung 13.4 KDE-Applikationen entwickeln mit KDevelop
13.2.3 Eclipse 

Java-Entwickler schätzen die Eclipse-IDE. Durch die Installation entsprechender Plug-ins lassen sich aber auch C/C++-Projekte realisieren. Die folgenden Ausführungen setzen voraus, dass Sie ein Java SDK, beispielsweise das Sun Java SDK, installiert haben. Unter Ubuntu wird Eclipse über das folgende Metapaket installiert:
- eclipse-sdk
Dadurch wird eine Vielzahl von Plug-ins zusätzlich installiert. Nach der Installation finden Sie Eclipse im Menü Anwendungen • Entwicklung • Eclipse. Beim ersten Programmstart wird der Benutzer zunächst aufgefordert, ein Verzeichnis für den Eclipse-Workspace anzugeben. Per Voreinstellung wird der Workspace im aktuellen Benutzerverzeichnis angelegt. Möchte man das Verzeichnis als Standard beibehalten, so müssen Sie die entsprechende Option markieren.
Nachdem der erste Start erfolgreich war, können Sie sich daran begeben, einige Optimierungen vorzunehmen. Dies gelingt unter anderem durch die Installation von Plug-ins.
Eine Vielzahl davon finden Sie auf der Eclipse-Homepage auf www.eclipse.org. Zur Installation der deutschen Sprachunterstützung laden Sie beispielsweise die folgenden Pakete herunter:
- NLpack1-eclipse-SDK-3.1.1a-gtk.zip
- NLpack1_FeatureOverlay-eclipse-SDK-3.1.1.zip
Pakete entpacken
Die Versionsnummer sollte dabei mit der des Ubuntu-Eclipse-Pakets übereinstimmen. Die Pakete werden mit folgendem Befehl entpackt:
user$ unzip NLpack1-eclipse-SDK-3.1.1a-gtk.zip
user$ unzip NLpack1_FeatureOverlay-eclipse-SDK-\
3.1.1.zipDadurch wird ein Ordner namens eclipse im aktuellen Verzeichnis erzeugt. Die Datenstruktur innerhalb des Ordners wird nun einfach in die bestehende Eclipse-Installation hineinkopiert:
user$ sudo cp -a eclipse/* /usr/share/eclipse
Abbildung 13.5 Die IDE-Eclipse im Lernmodus
Nach dem Neustart steht Ihnen die IDE in deutscher Sprache zur Verfügung. Achten Sie darauf, dass Sie bei Verwendung von mehr als einer Java-JRE die richtige auswählen (Fenster • Benutzervorgaben • Java).
Von der Eclipse-Startseite aus können Sie nun eines der vielen Lernprogramme zu Eclipse starten und sich spielerisch in die Benutzeroberfläche einarbeiten (siehe Abbildung).
Kompilierung von C-Programmen
Die Erweiterung CDT zur Kompilierung von C/C++-Programmen unter Eclipse finden Sie ebenfalls auf www.eclipse.org. Die Installation erfolgt analog zu dem oben beschriebenen Sprachpaket. Achten Sie darauf, dass die Version des CDT zu Ihrer speziellen Eclipse-Version passt. Einige weitere, ausgewählte Plug-ins zu Eclipse finden Sie auf www.java-tutor.com.
13.2.4 Lazarus 

Delphi-Klon
Lazarus ist eine PASCAL-Programmierumgebung unter Linux, die stark an Borlands Delphi erinnert. Momentan wurde Lazarus noch nicht in die Ubuntu-Standard-Repositorys übernommen, sodass bei der Installation ein wenig Handarbeit angesagt ist. Am schnellsten installieren Sie Lazarus mithilfe des Pakets alien und den entsprechenden RPMs. Stellen Sie hierfür sicher, dass die folgenden Pakete installiert sind:
- libgtk2.0-0
- libgdk-pixbuf2
- alien
Laden Sie nun die Lazarus-RPM-Pakete von sourceforge.net/projects/ lazarus herunter. Sie benötigen zwei RPMs:
- fpc-2.0.1-050923.i386.rpm
- lazarus-0.9.10-0.i386.rpm
Auch hier können die Bezeichnungen bei aktuelleren Versionen von den obigen Versionsnummern abweichen. Installieren Sie die beiden RPMs via alien:
user$ sudo alien -i fpc-2.0.1-050923.i386.rpm user$ sudo alien -i lazarus-0.9.10-0.i386.rpm
Sie erfahren mehr über alien in Abschnitt auf Seite .
Nach der Installation finden Sie das Programm im Menü Anwendungen • Entwicklung. Nach dem Programmstart öffnen sich mehrere Teilfenster. Die Bedienung des Programms ist stark an die Delphi- bzw. Kylix-Oberfläche angelehnt (siehe Abbildung).
Abbildung 13.6 Delphi/Kylix zum Nulltarif: Lazarus
13.2.5 Gambas 

Visual-Basic-Ersatz
Den Abschluss der Parade von Programmierwerkzeugen bildet die Gambas-IDE. Umsteiger von Microsoft Visual-Basic werden sich sofort heimisch fühlen, es ist sogar möglich, Visual-Basic-Programme mit einigen wenigen Anpassungen unter Gambas zum Laufen zu bringen.
Sie installieren Gambas über das Meta-Paket
- gambas
Wie bei allen bisher vorgestellten Entwicklungswerkzeugen finden Sie nach der Installation einen entsprechenden Eintrag unter Anwendungen • Entwicklung. Alternativ können Sie Gambas auch über die Konsole durch Eingabe von gambas starten. Auch unter Gambas hilft ein Projekt-Wizzard bei den ersten Gehversuchen bei der Erstellung von Projekten.
Eine hervorragende Dokumentation zu Gambas in Form eines Wikis finden Sie unter de.wikibooks.org/wiki/Gambas.
Abbildung 13.7 Der Visual-Basic-Clone Gambas









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