14.5 Ubuntu und Multimedia-Hardware 

Dieser Abschnitt beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, die dem Linux-Anwender mittlerweile auch im Multimedia-Bereich zur Verfügung stehen. Im Normalfall wird die gängige Hardware, wie z. B. Sound- oder TV-Karte, von Ubuntu ohne größere Anstrengungen unterstützt. Auch der Einsatz von externer Hardware wie Camcorder oder Digitalkamera ist problemlos möglich.
14.5.1 Sound 

Mittlerweile hat in nahezu alle Linux-Distributionen das Soundsystem ALSA Einzug gehalten. ALSA steht für Advanced Linux Sound Architecture und bietet mehr als nur die Steuerung des Lautstärkevolumens der angeschlossenen Boxen. Werden Sie direkt nach dem Einloggen in die grafische Oberfläche von einem Startklang begrüßt, dann können Sie davon ausgehen, dass das Soundsystem korrekt eingerichtet wurde.
Abbildung 14.26 Sound-Einstellungen unter GNOME
Zu Problemen mit dem Sound kann es unter Ubuntu dann kommen, wenn Applikationen noch das ältere OSS-System verwenden. Zu derartigen Programmen gehören das Flash Plug-in, sowie die Voice-over-IP-Software Skype. Hier kann es passieren, dass mehrere Sound"-quellen zeitgleich den Soundserver beanspruchen und dieser nur eine Quelle zum Zuge kommen lässt. Abhilfe schafft Sound-Hardware, die über die Eigenschaft des Hardware-Mixings verfügt, also sozusagen die Aufgabe des Soundservers übernimmt. Folgende Soundkarten zählen dazu:
Aureal Vortex2 (au8830) Creative SoundBlaster Audigy2 ZS EMU10K1 – Sound Blaster Live! (rev.7) Terratec DMX Xfire 1024
Für die GNOME-Oberfläche wird PulseAudio verwendet. Mehr Informationen zu PulseAudio erhalten Sie in Abschnitt »PulseAudio – Der Soundserver« ab Seite .
Die entsprechende Lösung unter KDE heißt aRts (analog Real time synthesizer). Dieses Tool finden Sie in den Systemeinstellungen bzw. dem KDE-Kontrollzentrum unter dem Punkt Sound & Multimedia. Im Untermenü Hardware haben Sie die Möglichkeit, entweder automatisch nach einem Treiber suchen zu lassen oder gezielt die verwendete Hardware direkt zu definieren.
Abbildung 14.27 aRts – Das KDE-Soundsystem
Zur Justierung eines 5.1-Dolby-Surround-Soundsystems empfiehlt sich die Verwendung des Alsamixers. Dieser wird in einer Konsole mit dem Befehl alsamixer aufgerufen und bietet nach dem Start eine Vielzahl von Reglern, die es gestatten, sämtliche Varianten des 3D-Klangs mit einer mehrkanalfähigen Soundkarte zu produzieren (siehe Abbildung).
Abbildung 14.28 Dolby Surround Downmix mit dem Alsamixer
| Reglername | Funktion |
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Tone |
Bass-/Höhenregler |
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3D Control Switch |
3D-Kontrolle an/aus |
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3D Depth |
Räumliche Tiefe des Klangs |
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3d Rear Depth |
Hintergrundtiefe des Klangs |
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PCM |
PCM-Volumen |
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Surround |
5.1-Surround-Effekte |
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Center, LFE |
Center- und Subwoofer-Regler |
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Wave |
Wiedergabe von Wave-Dateien |
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SB Live Analog/Digital |
Umschalter für externen Dolby-Digitalausgang S/PDIF |
| Den internen PC-Lautsprecher deaktivieren |
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Wenn Sie ein Anhänger absoluter Stille sind, haben Sie sich bestimmt schon manchmal gewünscht, den internen Lautsprecher Ihres PCs oder Notebooks auszuschalten. In einem solchen Fall könnten Sie entweder das Kabel des Lautsprechers von Ihrem Mainboard abziehen oder die Funktion im Kernel deaktivieren. Dies geschieht über das sogenannte »Blacklisten« des zugehörigen Moduls. |
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Dazu muss lediglich der folgende Befehl in einem Terminal abgesetzt werden: |
| echo "blacklist pcspkr" | sudo tee -a /etc/modprobe.d/blacklist |
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Nach einem Neustart des Systems schweigt der interne PC-Lautsprecher. Für die Bash-Shell gilt: |
| echo "set bell-style none" >> ~/.inputrc |
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Sie können den Lautsprecher auch temporär ausschalten, indem Sie durch modprobe -r pcspkr das passende Modul aus dem Kernel entfernen. |
Unter KDE gelangen Sie zu einer grafisch schöner anzusehenden Mixervariante, indem Sie mit der rechten Maustaste auf das Lautsprechersymbol in der Taskleiste klicken und über das Kontextmenü das Mixerfenster öffnen. Anfänger verbringen oft Stunden mit der Konfiguration von 3D-Sound bzw. AC3-Sound (Dolby Digital 5.1) mit dem Alsamixer. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kanäle für die weit verbreiteten Soundblaster-Live-Karten und deren Funktion zusammen, um den Einstieg zu erleichtern.
14.5.2 TV-Hardware nutzen 

Durch die Einführung der TV-Ergänzungskarte mutierte der PC vom braven Arbeitstier zur Multimedia-Zentrale. Im Moment koexistieren in Deutschland das klassische analoge Fernsehen sowie die neue Digitaltechnik DVB (Digital Video Broadcasting). Beide Varianten lassen sich unter Ubuntu betreiben.
Analoge TV-Karten nutzen
Nach dem Einbau einer TV-Karte, die aber zumeist in den All-in-one-PCs der großen Kaufhausketten schon enthalten ist, bootet man den Rechner neu. Die meisten handelsüblichen TV-Karten basieren auf der Chipserie BT8xx. Ob Ihre Karte erkannt wurde, finden Sie mit folgendem Befehl heraus:
dmesg | grep bttv bttv: driver version 0.9.15 loaded bttv: using 8 buffers with 2080k (520 pages) each for capture bttv: Bt8xx card found (0). bttv0: registered device video0 bttv0: registered device vbi0
Die identifizierte Karte wurde als Video-Device unter dem Device-Namen video0 registriert. Um die Karte nutzen zu können, verwenden Sie am besten das Standardprogramm xawtv:
apt-get install xawtv
Nun können Sie das Programm mittels xawtv -c /dev/video0 starten. In diesem Fall wird das beim Booten erkannte Device über den Parameter -c als Videoquelle angegeben, eine Verfahrensweise, die insbesondere bei paralleler Verwendung einer Webcam erforderlich ist. Es kann vorkommen, dass hierbei folgende Fehlermeldung erscheint:
This is xawtv-3.95, running on Linux/i686 (2.6.17-10-generic) X Error of failed request: XF86DGANoDirectVideoMode Major opcode of failed request: 136 (XFree86-DGA) Minor opcode of failed request: 1 (XF86DGAGetVideoLL) Serial number of failed request: 65 Current serial number in output stream: 65
In diesem Fall müssen Sie xawtvmit den folgenden Optionen starten:
xawtv -c /dev/video -remote -global:filter "linear bend"
Abbildung 14.29 Erste Schritte mit xawtv
Sollten Sie nach dem Start des Programms kein Rauschen im xawtv-Hauptfenster sehen (vgl. Abbildung), so muss der Capture-Modus auf grabdisplay umgestellt werden. Dieser Modus belastet die Ressourcen des PCs allerdings stärker als der Overlay-Modus. Um Letzteren zu aktivieren, ergänzen Sie folgenden Eintrag in Ihrer Datei /etc/X11/xorg.conf im Abschnitt Module:
Load "v4l"
Um die Änderungen zu übernehmen, müssen Sie den X-Server mittels
+
+
neu starten.
Die Einstellung der Kanäle erfolgt über das Kanaleditor-Menü (Channel Editor). Dabei ist zu bemerken, dass der Tunerchip von analogen TV-Karten zumeist nicht »das Gelbe vom Ei« ist. Günstiger ist in diesem Fall die Einkopplung des TV-Signals eines externen Tuners (z. B. eines Videorekorders) über den Composite-Eingang der Karte (Video Source: Composite).
Digital-TV unter Ubuntu (DVB)
Hochwertige TV-Bilder erhalten Sie mithilfe des DVB-Standards, der digitale TV-Streams auf den Rechner zaubert. Dieses Material kann mit geeigneten Tools auf die Festplatte zwischengespeichert und später auf einen DVD-Rohling gebrannt werden. Für den problemlosen Betrieb unter Linux haben sich sogenannte Full-Featured-Karten bewährt, die über einen HardwareMPEG2-Decoder verfügen. Dadurch wird der Prozessor bei der Dekodierung des Streams spürbar entlastet.
Bootlog-Datei prüfen
Bauen Sie Ihre DVB-Karte in den PC ein, und durchsuchen Sie nach dem Neustart die Bootlog-Datei nach entsprechenden Meldungen:
dmesg | grep dvb saa7146: register extension 'dvb'. dvb-ttpci: could not load firmware, file not found: dvb-ttpci-01.fw dvb-ttpci: usually this should be in /usr/lib/hotplug /firmware dvb-ttpci: and can be downloaded here http://www.linuxtv.org/download/dvb/firmware/
Die obige Meldung gibt an, was zur Nutzung der Karte zu tun ist: Für das entsprechende Modell (im vorliegenden Fall eine Hauppauge Nexus S) muss eine spezielle Firmware aus dem Internet geladen werden, und zwar von der Seite http://www.linuxtv.org/download/dvb/firmware.
Diese wird mit den folgenden Befehlen zunächst umbenannt und anschließend in das Firmware-Verzeichnis des Hotplug-Daemons kopiert:
mv dvb-ttpci-01.fw-2622 dvb-ttpci-01.fw sudo cp dvb-ttpci-01.fw /lib/firmware/<Kernelversion>
Die aktuell verwendete Kernel-Version erfahren Sie über den Befehl
uname -a
Nach einem Reboot des Rechners sollten folgende Boot-Meldungen erscheinen:
dmesg | grep dvb saa7146: register extension 'dvb'. dvb-ttpci: gpioirq unknown type=0 len=0 dvb-ttpci: info @ card 0: firm f0240009, rtsl b0250018, vid 71 010068, app 80002622 dvb-ttpci: firmware @ card 0 supports CI link layer interface dvb-ttpci: adac type set to 0 @ card 0 dvb-ttpci: found av7110-0.
Damit wäre die Karte einsatzbereit. Zum Testen können Sie den Universal-Mediaplayer xine verwenden, der sowohl in Ubuntu als auch in Kubuntu eingesetzt werden kann. Weiterhin ist die Installation der DVB-Utilitys erforderlich:
sudo apt-get install xine-ui dvb-utils
Es gibt natürlich auch Speziallösungen für Ubuntu (gDVB) sowie für Kubuntu das zur Grundausstattung gehörende Kaffeine.
Abbildung 14.30 DVB-Streams mit kaffeine wiedergeben
xine starten
Nach der Installation sollten Sie das Programm xine einmal starten, damit das Konfigurationsverzeichnis .xine erzeugt wird. Das Programm xine benötigt eine Kanalkonfigurationsdatei. Hierfür können Sie eines der Beispiele aus /usr/share/doc/dvb-utils/examples nutzen.
Sie müssen die entsprechende Datei entpacken und in das versteckte Verzeichnis .xine kopieren:
cp /usr/share/doc/dvb-utils/examples/channels.conf-dvbs-astra.gz ~/.xine cd ~/.xine gunzip channnels.conf-dvbs-astra.gz mv channnels.conf-dvbs-astra channels.conf
Nun können Sie das Programm xine über Anwendungen • Unterhaltungsmedien • xine starten und mit der Schaltfläche DVB den DVB-Tuningmodus einschalten. Daraufhin sollte das DVB-Bild im xine-Hauptfenster erscheinen. Durch Anklicken des Kanalsymbols können Sie durch die vordefinierten Kanäle schalten.
Der Vorteil von Kaffeine an dieser Stelle ist, dass man keine Kanalkonfigurationsdatei benötigt, sondern einfach nach allen empfangbaren Kanälen scannen kann. Mehr zu Kaffeine erfahren Sie in Abschnitt).









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