15.2 Repositorys 

Ich habe bereits mehrfach etwas über die Einteilung der Software in Repositorys erzählt. An dieser Stelle wollen wir uns dies noch einmal etwas genauer ansehen und die Hintergründe der gesamten Paketverwaltung kennenlernen.
Definition
Zur Erinnerung: Wer jemals mit Debian GNU/Linux gearbeitet hat, der kennt die Problematik: Möchte man wirklich aktuelle Software verwenden, die auch moderne Hardwarekomponenten unterstützt, so kommt man um den Zugriff auf Softwarepools von Drittanbietern nicht herum. Ubuntu Linux teilt aus diesem Grund die Software in mehrere Kategorien bzw. Repositorys ein.
Repository bedeutet im Deutschen unter anderem Fundgrube, Ablage oder Quelle. Hier können Sie Software für Ubuntu finden. Der Begriff »Quelle« ist insofern etwas unglücklich gewählt, als dieses Wort nur den Standpunkt des Anwenders berücksichtigt und suggeriert, dass die Software aus diesen Quellen (ohne Ende) heraussprudelt. Dem ist aber nicht so, da die Entwickler der Software die Repositorys füllen müssen. Debian bevorzugt daher den Begriff »Paketdepot« als Übersetzung für Repository.
Nach erfolgter Installation von Ubuntu sind nicht alle Repositorys von Beginn an freigeschaltet, sondern nur die, die von den Ubuntu-Entwicklern aktiv gepflegt werden.
Im Ubuntu-System brauchen Sie zumindest die Basis-Repositorys von Ubuntu. Ein Teil davon befindet sich auf der Installations-CD/-DVD. Es ist nicht unüblich, auch weitere Repositorys anderer Distributoren zu benutzen, wie zum Beispiel die der Debian-GNU/Linux-Distribution. Bedenken Sie aber, dass ein Mischmasch von Debian- und Ubuntu-Paketen mitunter auch Probleme erzeugt. Sie können hier speziell bei späteren Upgrades auf eine neuere Ubuntu-Version auf größere Schwierigkeiten treffen.
In der nachfolgend abgebildeten Matrix können Sie einen Überblick über die verschiedenen Repositorys gewinnen. Im Anschluss daran finden Sie eine ausführliche Erläuterung der einzelnen Softwarequellen.
Wie Sie die einzelnen Kanäle »freischalten«, erfahren Sie in Abschnitt ab Seite für das Programm Synaptic und in Abschnitt ab Seite für das manuelle Editieren der Konfigurationsdatei. Diese Konfigurationsdatei ist zuständig für die korrekte Quellenverwaltung, sie ist sozusagen der Schlüssel zum Software-Universum.
| Free Software | Non-free Software | |
|
supported |
Main |
Restricted |
|
unsupported |
Universe |
Multiverse |
Wie Sie in der obigen Matrix sehen können, teilt Ubuntu jegliche Software, die Sie auf Ihrem installierten System verwenden können, in vier Repositorys (sogenannte »components«) ein. Diese vier Komponenten wollen wir uns gemeinsam in den folgenden Abschnitten ansehen.
15.2.1 main 

Das Main-Repository enthält ausschließlich Pakete, die den Ubuntu-Lizenzanforderungen entsprechen (das ist in erster Linie die GPL) und die vom Ubuntu-Team unterstützt werden.
Das Main-Repository können Sie bedenkenlos freischalten. Unter anderem ist dies auch auf den beiliegenden DVDs enthalten und ist automatisch verfügbar, wenn Sie von dieser DVD installiert haben.
15.2.2 Restricted 

Hier befindensich Pakete, welche die Ubuntu-Entwickler zwar (mitunter nur eingeschränkt) unterstützen, die aber nicht unter einer geeigneten freien Lizenz stehen, um sie in main zu implementieren. Es handelt sich z. B. um binäre Pakete für Grafikkarten-Treiber. Der Grad an Unterstützung ist deshalb eingeschränkter als für main, weil die Entwickler keinen Zugriff auf den Quelltext der betreffenden Software haben. Auch hier sind normalerweise keine Probleme zu erwarten.
15.2.3 Universe 

Hier finden Sie Pakete freier Software, die unabhängig von ihrer Lizenz vom Ubuntu-Team nicht unterstützt werden. Damit haben Benutzer die Möglichkeit, solche Programme innerhalb des Ubuntu-Paketverwaltungssystems zu installieren. Der Vorteil, dass sich diese Programme gut in das Ubuntu-System integrieren, bleibt gewahrt. Dennoch sind diese nicht unterstützten Pakete getrennt von den unterstützten Paketen in Main und Restricted. Diese Softwareprodukte werden vom Ubuntu-Team nicht gewartet, Bugs werden nicht gefixt. Die Verwendung obliegt der eigenen Verantwortung.
15.2.4 Multiverse 

Zu den Multiverse-Komponenten gehört ein noch breiteres Spektrum an Software, die das Ubuntu-Team unabhängig von ihrer Lizenz nicht unterstützt. Hier sind Pakete zu finden, die nicht den Lizenzbestimmungen freier Software unterliegen müssen und dennoch als Debian-Pakete vorhanden sind. Der Vorteil, dass sich diese Programme gut in das Ubuntu-System integrieren, bleibt also auch hier gewahrt. Diese Softwareprodukte werden vom Ubuntu-Team nicht gewartet, Bugs werden nicht gefixt. Die Verwendung obliegt der eigenen Verantwortung. Zu beachten ist, dass z. T. auch Pakete enthalten sind, deren rechtliche Grundlage in vielen Ländern nicht gegeben ist. Dazu gehört ein Großteil der Multimedia-Codecs wie die für MP3.
Die Integration kann schwierig sein
Die Paketverwaltung in Ubuntu funktioniert nun ganz einfach: Die allermeisten Programme, die Sie in Ubuntu jemals benötigen werden, befinden sich bereits in einem der vier Ubuntu-Repositorys und liegen damit als bequem zu handhabende deb-Dateien vor. Sie können im Internet prinzipiell auch nach weiteren Paketen verschiedener Programme suchen (tar-Archive, rpm-Pakete, deb-Pakete). Allerdings lassen sich diese Programme mitunter schwieriger installieren, und sie integrieren sich auch nicht so gut in Ihr Ubuntu-System.
15.2.5 Backports 

Da Ubuntu eine Variante von Debian ist, fragt man sich: Kann man einfach für Debian bestimmte deb-Pakete in sein Ubuntu-System installieren? Obwohl Ubuntu und Debian weitgehend übereinstimmen und eine Menge an Paketen teilen, sind die Pakete für Ubuntu und Debian meist nicht identisch, weil sie unabhängig voneinander erzeugt werden. Die Verwendung von Debian-Paketen in Ubuntu hat problematische Auswirkungen für die Paketverwaltung in Ubuntu.
Zielführender ist die Verwendung von sogenannten Backports. Das sind Repositorys, die bestimmte Pakete, die nicht in den oben genannten Zweigen erhältlich sind, nutzbar machen. Damit brauchen Sie prinzipiell auf kein Programm, das für Linux erhältlich ist, zu verzichten. Backports enthalten sehr aktuelle Programme oder auch Software, die keinen Eingang in das Ubuntu-System gefunden hat.
Abbildung 15.5 Die Backports lassen sich über die Paketverwaltung aktivieren.
Programme ohne Ende
In Abschnitt »Software für (K)Ubuntu« ab Seite möchte ich Ihnen einen ersten Einblick in die Programmvielfalt von Ubuntu geben. Benötigen Sie weitere Informationen zu einem bestimmten Programm, recherchieren Sie am besten im Internet via Google nach dem Programmnamen. Wer bevorzugt deutsche Seiten finden möchte, erreicht dies über die erweiterten Sucheinstellungen von Google.





Jetzt bestellen







