»Bei der Eroberung des Weltraums sind zwei Probleme zu lösen: die Schwerkraft und der Papierkrieg. Mit der Schwerkraft wären wir fertig geworden.« Wernher von Braun (23.03.1912–16.06.1977), deutsch-amerikanischer Raketenforscher und Ingenieur
18 Server-Installation
| Was Sie in diesem Kapitel erwartet |
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Die Gründe dafür, einen eigenen Server zu betreiben, sind vielfältig – so kann man seine Homepage selbst hosten oder einen Spiele-Server betreiben. Aber auch das Backup oder die Synchronisation Ihrer Daten über verschiedene Rechner kann einen guten Grund für einen eigenen Server darstellen. Vor allem aus Sicherheitsgründen vertrauen viele Anwender Ihre Daten nur einem eigenen geschlossenen Netzwerk an. |
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Auch wenn die Installation eines Ubuntu-Servers schnell vonstatten geht, lauern doch so manche Hindernisse. Dieses und die folgenden Kapitel sollen Ihnen bei der Einrichtung und dem Aufbau mehrerer Server-Dienste eine Hilfe sein. |
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Die Installation von Ubuntu in der Server-Version ist – genauso wie im Desktop-Bereich – kostenlos. Sie können direkt von der beiliegenden DVD installieren oder sich die Medien kostenlos von www.ubuntu.com herunterladen. Support allerdings ist kostenpflichtig und wird – wenn gewünscht – auch rund um die Uhr geboten. |
| Benötigtes Vorwissen |
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Sie sollten den grundlegenden Umgang mit der Shell beherrschen. |
18.1 Planung und Einsatzzweck 

Wenn Sie Ubuntu installieren, haben Sie oftmals nicht die Wahl zwischen verschiedenen Computern. In der Regel besitzen Sie bereits die Hardware, die vormals zumeist von Microsoft Windows zum Leben erweckt wurde. Bei einem Server sieht die Sache oftmals anders aus. Entweder haben Sie noch alte Hardware irgendwo herumstehen und fragen sich, ob diese ausreichend ist. Oder Sie planen den Kauf einer solchen Hardware und sind unsicher, wie diese dimensioniert sein sollte. Ihnen stellen sich in jedem Fall wahrscheinlich mindestens folgende Fragen:
- Welche Dienste soll der Server anbieten, bzw. was will ich mit einem Server erreichen?
- Wie viele Benutzer werden gleichzeitig auf dem Server arbeiten?
- Welche Arten von Daten sollen auf dem Server verarbeitet werden?
- Wie groß ist der Datendurchsatz des Servers?
- Welchen Schutzbedarf hat der Server?
- Wie hoch soll die Verfügbarkeit des Servers sein, und wie schnell muss das System nach einem Ausfall wiederhergestellt sein?
Manche Fragen sind selbstverständlich nur Folgerungen. So stellt sich die Frage nach der Sicherheit des Servers oftmals nur, wenn dieser auch über das Internet erreichbar sein soll. Aus den oben stehenden Fragen ergibt sich ein Anforderungsprofil, das Sie mit geeigneter Hardware abdecken müssen.
Redundanz
Ein eigener Server – egal ob im privaten oder kommerziellen Sektor – wird zumeist nicht aus Neugierde oder Langeweile eingesetzt. Meistens sind es spezielle Anforderungen, die mit einem Standard-Desktop-Rechner oder dem Angebot eines Providers nicht zu erfüllen sind. Viele Firmen beispielsweise haben einen guten Grund, Ihre sensiblen Daten nicht einer dritten Person anzuvertrauen (beispielsweise dem Internet-Provider). Des Weiteren ist die Einrichtung einer Server-Infrastruktur zeitaufwendig und teuer, und so ist es selbstverständlich, dass der Absicherung eines Servers erhöhte Aufmerksamkeit zukommt.
Eine Absicherung besteht primär aus zwei Komponenten: zum einen aus der Absicherung gegenüber Angriffen aus dem Netz (Inter- und Intranet), zum anderen aus der Absicherung gegenüber Hardware-Ausfällen. Beiden Komponenten ist jedoch gemeinsam, dass Sie den Server und damit auch seine Dienste »am Leben erhalten sollen«. Während wir uns später mit den sicherheitstechnischen Grundlagen beschäftigen wollen, steht zunächst die technische und software-seitige Redundanz im Vordergrund.
Geplante und ungeplante Ausfälle
Soll beispielsweise weder durch eine geplante Aktion (z. B. Wartungen) noch durch eine ungeplante Tätigkeit (z. B. Ausfall oder Angriff) die Funktion eines Servers beeinträchtigt werden können, so kommt man nicht an einer – unter Umständen umfangreichen – Redundanz vorbei. Ist eine temporäre Auszeit im privaten Bereich noch zu verschmerzen, so ist dies im kommerziellen Bereich unerwünscht. Kaum eine Firma kann sich heutzutage beispielsweise einen Ausfall des Mail-Servers leisten.
Machen wir uns nichts vor: Eine komplette Redundanz und damit eine hundertprozentige Erreichbarkeit der Server-Dienste ist nicht zu gewährleisten. Dazu wären die Investitionen, die Sie in Hardware, Infrastruktur und Personal stecken müssten, viel zu hoch. Je mehr Ausfallsicherheit Sie wünschen, desto teurer wird der Spaß. Aber es gibt Licht am Ende des Tunnels. Durch geschickte Verknüpfung technischer und software-seitiger Redundanz erreichen wir bei relativ geringen Kosten eine erstaunlich hohe Redundanz der Server-Dienste.
Risiko Management
Die grundsätzliche Idee eines Risiko Mangement besteht darin, dass wirkungsvolle Maßnahmen zur Vermeidung oder Minimierung von Risiken nur dann möglich sind, wenn die entsprechenden Risiken bekannt sind. Bei der Erfassung dieser Risiken sollten Sie Prioritäten setzen, um den wirtschaftlichen Standpunkt nicht außer Betracht zu lassen. Die der drückt sich darin aus, dass jegliche Gegenmaßnahmen einen gewissen Grad an Effizienz erreichen müssen. Dies bedeutet, dass die Ausgaben für etwaige Maßnahmen immer im Verhältnis zum möglichen Schaden oder zum Risiko eines Auftretens stehen müssen.
So ist beispielsweise der Ausfall einer Festplatte sehr viel wahrscheinlicher als der Ausfall des gesamten Rechenzentrums. Dazu kommt, dass durch ein RAID das Risiko eines Schadens durch einen Festplattenausfall sehr wirtschaftlich und mit einfachen Mittels zu begrenzen ist – ein Beispiel für eine hervorragende Effizienz. Wir werden später in Abschnitt »RAID« ab Seite auf die Einrichtung eines RAID-Systems zurückkommen.
Die Risiken können generell unterschiedlicher Natur sein und beispielsweise folgende Bereiche abdecken:
- Hardware-Defekt beliebiger Art
- Stromausfall, hervorgerufen durch Netzanbindungsfehler oder Ausfall des Netzteils
- Ausfall der Internet-Anbindung, hervorgerufen durch Ausfall des Internet-Providers oder Defekt der Netzwerkinfrastruktur (Netzwerkkarte, Hub, Switch, Kabel etc.)
- Ausfall des Rechenzentrums, hervorgerufen durch Hardware-Defekt (Kühlung, Server etc.) oder Angriff
- Software- und/oder Bedienungsfehler, die zu Angriffen und Ausfällen führen
- ...
Die obige Auflistung vermittelt einen ersten Eindruck von der Komplexität, die es zu berücksichtigen gilt. Sie können leicht erahnen, welche Kosten auf Sie zukommen, wenn Sie nicht nur Hardware doppeln wollen, sondern Ihre Server auch an verschiedenen Standorten und mit unterschiedlichen Providern betreiben möchten.
Realisierung
Eine Redundanz können Sie in Abhängigkeit von der gewünschten oder geforderten Erreichbarkeit des Servers auf verschiedene Arten realisieren:
- Technische Redundanz Mit technischer Redundanz ist die Dopplung bestimmter Hardware oder Infrastruktur gemeint. Um ein Ereignis wie den Ausfall der Netzwerkverbindung zu egalisieren, sollten nicht nur die Netzwerkkarte, sondern auch die Kabelverbindungen bis hin zu etwaigen Hubs, Switches, Routern etc. gedoppelt werden. Um einen Stromausfall zu vermeiden, reicht es nicht, wenn Sie zwei Netzteile vorhalten – diese müssen auch an getrennte Stromversorgungen angeschlossen werden.
- Software-seitige Redundanz Durch Virtualisierung können Sie einen erheblichen Fortschritt erzielen. Prüfen Sie, ob viele Ihrer Server-Dienste nicht in in einem virtuellen Server besser aufgehoben wären. Die Virtualisierung von Servern und die damit verbundene Unabhängigkeit kann einem geschickten Administrator auf sehr einfache Weise das Leben erheblich erleichtern. Auch profitiert die Sicherheit davon, weil der Administrator durch effektivere Verwaltung mehr Zeit für wesentliche und sicherheitskritische Arbeitsvorgänge gewinnt.
Virtualisierung
Aus Gründen der Hochverfügbarkeit werden Server-Dienste oftmals parallel und voneinander getrennt gehostet. Die Verteilung der Anwendungen auf einzelne Systeme bietet eine teuer erkaufte Sicherheit. Gleichzeitig kann man dadurch eine – wenngleich primitive – Redundanz erreichen. Dass diese Lösung alles andere als elegant ist, lässt sich am hohen Administrationsaufwand ablesen.
Abbildung 18.1 Auf jedem Server läuft eine Anwendung (links), die jeweils einen eigenen Standby-Server als Backup besitzt (rechts). Dies ist die klassische Anordnung für hochverfügbare Server. Bei einem Ausfall eines Servers wird nahtlos der Standby-Server weiterverwendet.
Meist werden aus Gründen der Hochverfügbarkeit Server gedoppelt, wobei ein Server produktiv ist und ein weiterer Server als Standby-Server gar nichts tut. Durch wirklich einfache Virtualisierung lassen sich aus vier Servern für zwei Anwendungen zwei Server für zwei Anwendungen machen. Server A betreibt Anwendung 1 in einer virtuellen Maschine produktiv und Anwendung 2 als Standby. Server B macht das Ganze andersherum.
Abbildung 18.2 Server A betreibt Anwendung 1 in einer VM produktiv und Anwendung 2 als Standby. Server B macht das Ganze andersherum.
Vermeidung von Risiken
Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass eine hervorragende Möglichkeit der Problemlösung die Vermeidung von Risiken ist. Deutlicher ausgedrückt bedeutet dies generell: Je weniger Dienste auf Ihrem Server laufen, desto sicherer ist er. Es macht durchaus Sinn, gewünschte Aufgaben, die der Server übernehmen soll, kritisch zu hinterfragen. Ein Server, auf dem FTP läuft, braucht nicht noch zwingend WebDAV-Funktionialität. Im Notfall muss abgeschätzt werden, ob man nicht besser der Sicherheit zuliebe auf manche Annehmlichkeiten lieber verzichtet, anstatt eventuellen Angreifern oder Software-Fehlern Tür und Tor zu öffnen.
Zertifizierte Hardware
Wenn Sie Administrator in einem kommerziellen Umfeld sind, werden Sie bestimmt an Wartungsverträge gebunden sein. Bestimmte Hardware-Hersteller leisten nur dann Support im Rahmen eines Wartungsvertrages, wenn ein für die betreffende Hardware zertifiziertes Betriebssystem eingesetzt wird. Falls Sie also bestimmte Server-Hardware einsetzen möchten, sollten Sie zuerst überprüfen, ob der Wartungsvertrag vom eingesetzten Betriebssystem abhängig ist. Für Ubuntu finden Sie eine Liste der zertifizierten Hardware auf der Webseite http://webapps.ubuntu.com/certification/. So ist Ubuntu von Sun Microsystems für die Niagara-Plattform zertifiziert. Dell bietet verschiedene Rechnermodelle mit vorinstalliertem Ubuntu an. Zu guter Letzt hat sogar IBM Ubuntu für den Einsatz der Datenbank DB/2 zertifiziert.
Dimensionierung der Hardware
Im Prinzip sind die Voraussetzungen für einen Server, auf dem Linux läuft, nicht sehr hoch, zumindest im Vergleich zu Redmonder Qualitätsprodukten. Natürlich hängt das Ganze auch mit der Beschaffenheit des Netzwerkes zusammen, in dem der Server seine Dienste anbieten soll. Und natürlich steht es jedem frei, seine Hardware so zusammenzustellen, wie es ihm beliebt, deshalb hier nur ein paar kleine Anhaltspunkte.
| RAM | CPU | Festplatte | |
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Minimal |
128 MB |
200 MHz |
1 GB |
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Empfohlen |
256 MB |
500 MHz |
> 10 GB |
Des Weiteren benötigt Ihr System einen Monitor und eine Tastatur (nur zur Installation) sowie ein CD-Laufwerk (bei Installation von CD). Mindestens eine Netzwerkkarte sollte ebenfalls verbaut sein, denn sonst macht ein Server bekanntlich wenig Sinn. Noch einmal sei gesagt, dass die optimale Konfiguration des Server-Systems von den jeweiligen Anforderungen des Netzes abhängt.
Neuerungen in Ubuntu 9.04
Die Server-Edition enthält die bekannten Server-Anwendungen in den neuesten stabilen Versionen. Die Virtualisierung wurde mit der Aktualisierung von KVM verbessert. Der Samba-Server unterstützt Cluster, und ein Mail-Server auf Basis von Postfix und Dovecot wird automatisch betriebsbereit eingerichtet. Die Server-Edition wurde für eine Reihe von Servern von Dell, IBM, Sun und HP zertifiziert. Ubuntu steigt auch ins Cloud Computing ein und präsentiert eine Vorschau auf die Ubuntu Enterprise Cloud (UEC). Damit lässt sich ein Cloud-System auf den eigenen Rechnern aufsetzen, womit eine Abhängigkeit von externen Anbietern vermieden wird. Diese Cloud-Fähigkeit basiert auf dem freien Projekt Eucalyptus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.
Außerdem wird Ubuntu 9.04 Server als Option in der Elastic Compute Cloud (EC2) von Amazon zur Verfügung stehen. Eine weitere Neuerung ist die verbesserte Integration zwischen der Groupware OpenChange und MS Exchange. Als weitere Vorschau-Optionen stehen das Advanced Message Queue Protocol (AMQP) mit Rabbit MQ und MySQL 5.1 bereit.






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