22.9 VMware Server 

Kommen wir nun zur zweiten kostenlos erhältlichen VMware-Variante. Diese virtuelle Maschine lässt sich für viele Dinge gebrauchen. Die beliebtesten Einsatzzwecke sind sicherlich das Starten einer VM mit Windows, um liebgewonnene oder benötigte Programme auszuführen, oder ein neues Betriebssystem zu testen, ohne das Gastsystem zu formatieren oder zu beschädigen. Ich werde im Folgenden das Einrichten einer virtuellen Maschine mit VMware Server beschreiben und anschließend ein weiteres Ubuntu, z. B. eine neue Beta-Version zum Ausprobieren, installieren.
Mehr Funktionen
Ich nutze hierfür den VMware Server aus dem Grunde, da diese Version ebenso wie der VMware-Player kostenlos verfügbar ist, aber deutlich mehr Funktionen als der Player bietet. Mit dem Player ist es nur möglich, bestehende Maschinen zu nutzen, das Anlegen von neuen Maschinen ist dort aber nur mit zahlreichen Tricks möglich.
22.9.1 VMware Server 1.x 

Im Gegensatz zum VMware Player ist der VMware Server nicht in den Ubuntu-Paketquellen enthalten. Er muss von Hand heruntergeladen und installiert werden. Ebenso ist eine Seriennummer nötig, die man sich jedoch auf der Download-Seite von VMware kostenlos erzeugen lassen kann. Diese Nummer wird direkt auf der Website angezeigt. Sie können hier bis zu 100 Lizenzen kostenlos bekommen. Die damit aktivierten Server sind zeitlich unbeschränkt gültig.
Gehen Sie im ersten Schritt auf die Internetseite www.vmware.com/download/server/. Sie finden hier die nötigen Schritte leicht erklärt. Wichtig ist, dass Sie das .tar.gz-Archiv für Linux herunterladen. Eine andere Möglichkeit ist der Download mithilfe von wget:
wget -c http://download3.vmware.com/software/vmserver/VMware-server-\ 1.0.6-91891.tar.gz
Im zweiten Schritt sollten Sie sicherstellen, dass die Pakete
- build-essential
- linux-headers-generic
- xinetd
- linux-kernel-devel
installiert sind:
sudo aptitude install build-essential linux-kernel-devel linux-headers-generic \ xinetd
Anschließend wechseln Sie in das Verzeichnis mit dem Download des VMware-Servers, entpacken dieses mit
tar xf VMware-server-1.0.6-*.tar.gz
und wechseln danach wie folgt in das entpackte Verzeichnis:
cd vmware-server-distrib/
Da VMware die Installation abbricht, wenn ältere Installationen erkannt wurden, müssen diese komplett deinstalliert werden. Falls z. B. der VMware Player aus den Ubuntu-Paketquellen über Synaptic oder apt installiert wurde, dann wird dieser auf gleichem Wege deinstalliert und das übrig gebliebene Verzeichnis /etc/vmware mit
sudo rm -rf /etc/vmware
gelöscht. Jetzt können Sie VMware installieren.
Dazu gibt es ein eigenes Skript, das mit dem Befehl
sudo ./vmware-install.pl
ausgeführt wird.
Alle Fragen, die im Laufe der Installation gestellt werden, können Sie im Normalfall mit einem »Return« bestätigen. Das Installationsskript sucht die linux-headers normalerweise im Standardverzeichnis. Sollte dieser Pfad aus irgendeinem Grund nicht korrekt sein, finden Sie diesen mit folgendem Befehl
whereis linux-headers-ARCH
Im Menü Anwendungen • Systemwerkzeuge • VMware Server Console finden Sie zu guter Letzt das neue Programm.
In der Ubuntu-Version 8.04 »Hardy Heron« vermisst VMware einige Bibliotheken und lässt sich nach der Installation nicht starten. Sie beheben dies durch das Anlegen der folgenden symbolischen Links:
sudo ln -sf /usr/lib/gcc/i486-linux-gnu/4.2.3/libgcc_s.so \ /usr/lib/vmware/lib/libgcc_s.so.1/libgcc_s.so.1
und
sudo ln -sf /usr/lib/libpng12.so.0 /usr/lib/vmware/lib/libpng12.so.0/libpng12.so.0
Virtuelle Maschinen anlegen
Wenn Sie den VMware Server starten, so existieren noch keine virtuellen Maschinen. Diese müssen zunächst erstellt und eingerichtet werden, bevor Sie anschließend ein Gast-Betriebssystem installieren können. Im Beispiel beschreibe ich das Anlegen einer VM für Ubuntu Edgy. Andere Betriebssysteme lassen sich entsprechend erstellen.
Sie beginnen damit, dass Sie aus dem Hauptbildschirm von VMware eine neue VM mittelsCreate a new virtual machine erstellen. Diese startet einen Installationsassistenten, der Sie durch den Prozess führt. Für viele Betriebssysteme sind schon Vorlagen hinterlegt, die die optimalen Konfigurationen für das Gastsystem beinhalten. Linux und darin Ubuntu sind dort schon enthalten. Daher wählen Sie Typical aus. Im nächsten Dialog präzisieren Sie die Auswahl und geben Linux • Ubuntu an.
Im nächsten Schritt können Sie der VM noch einen passenderen Namen, also Ubuntu Edgy Eft geben und den Pfad angeben, wo die virtuelle Maschine abgelegt werden soll. Da die Client-Partitionen für VMware nachträglich nicht vergrößert werden können, sollten Sie von vornherein auf ausreichend Festplattenkapazität für die später einzurichtenden Gast-Betriebssysteme achten. Für ein einfaches Windows 2000 oder Windows XP benötigen Sie etwa 4–8 GB je nach Aufgabenstellung. Bei Verwendung einer eigenen Festplatte oder Partition für VMware ist darauf zu achten, diese mit ext3 zu formatieren.
Abbildung 22.11 Der Hauptbildschirm von VMware Server
Netzwerk-Konfiguration
Anschließend wird das Netzwerk konfiguriert. Folgende Punkte stehen hier zur Wahl:
- Bridged Networking: Diese Einstellung sollten Sie üblicherweise auswählen. Die VM erscheint damit als »richtiger« Rechner im Netzwerk, d. h. mit eigener IP-Adresse im gleichen Subnetz. Dadurch können Server-Dienste problemlos eingerichtet werden.
- NAT: Der Host-Rechner fungiert praktisch als Router und verbindet die VM als Router mit dem lokalen Netzwerk. Dadurch können Server-Dienste eingeschränkt werden. Das Internet ist für die VM erreichbar (sofern es das für den Host-Rechner auch ist).
- Host-Only Networking: Erzeugt ein privates Netzwerk zwischen Host und VM. Das heißt, die VM kann mit dem Host kommunizieren, aber keine anderen Rechner oder das Internet erreichen.
- Kein Netzwerk
Danach werden Sie nach der Größe der »Festplatte« in der VM gefragt. Zusätzlich stehen noch die beiden folgenden Optionen zur Wahl:
- Allocate all disk space now: Wenn Sie diese Option aktivieren, wird der komplette Festplattenplatz sofort zugewiesen. Dies bringt etwas mehr Leistung der VM, belegt aber einige Gigabyte auf der Festplatte, die sonst frei wären.
- Split disk into 2 GB files: Teilt die virtuelle Festplatte in maximal 2 GB große Stücke. So kann die virtuelle Festplatte auch auf Partitionen abgelegt werden, die nicht mit Dateien, die größer als 2 GB sind, umgehen können oder um sie später auf DVDs auslagern zu können.
Nun ist die virtuelle Maschine komplett angelegt.
Installation des Gast-Systems
Nehmen wir einmal an, Sie sind ein zufriedener Hardy-Nutzer. Getreu dem Grundsatz »Never touch a running system« wollen Sie also nicht einfach auf Intrepid aktualisieren, aber ein bisschen neugierig sind Sie schon. Sie haben sich also das Image einer Intrepid-Installations-CD heruntergeladen (welches Installationsmedium – also Desktop- oder Alternate-CD – Sie wählen, ist egal; nur die Architektur muss stimmen). Hier zeigt sich eine Funktion von VMware, die im Sinne des Umweltschutzes sehr zu begrüßen ist: Die ISO-Datei müssen Sie nicht auf CD brennen. Sie können stattdessen das ISO-Image direkt in VMware einbinden, sodass das Image als virtuelles CD-Laufwerk zur Verfügung steht.
Dazu öffnen Sie die vorhin neu erstellte virtuelle Maschine, klicken unter Devices mit links doppelt auf das virtuelle Laufwerk CD-ROM 1 und wählen dort Use ISO Image • Ubuntu Edgy CD auswählen.
Nun sind Sie fertig gerüstet, um die virtuelle Maschine mit Power on this virtual machine zu starten.
Abbildung 22.12 Der Reiter der virtuellen Maschine »Edgy Eft«
Da die Ubuntu-CD schon virtuell im Laufwerk liegt, werden Sie vom Installer bzw. von der Live-CD empfangen. Die Installation läuft nun wie für ein normales System ab. Allerdings sollten Sie keine SWAP-Partition anlegen. Über die Partitionierung müssen Sie sich auch keine Gedanken machen. Schreiben Sie alles in eine große (die VM komplett ausfüllende) Partition.
Aus der VM befreien
Solange Sie in der VM arbeiten, sind die Maus und die Tastatur in der VM »gefangen«, bis sie durch Drücken von
+
befreit werden. Ist das Gastsystem komplett installiert, können Sie dieses unbequeme Verhalten unter Dapper durch die Installation der VMware-Tools (siehe Abschnitt , zum Vorgehen unter Edgy ebenfalls) beheben. Danach können Sie die Maus transparent zwischen Gast und Host hin- und herbewegen.
22.9.2 VMware Server 2.x 

Unter http://www.vmware.com/beta/server/overview.html können Sie sich den Nachfolger der VMware-Server-Reihe herunterladen. Die Installation wurde wesentlich vereinfacht – es sind keine Kniffe mehr notwendig. Sie bekommen eine Lizenznummer für den VMware Server 2 angezeigt, wenn Sie die Registrierung ausfüllen. Wenn Sie diese übersehen haben, ist es aber kein Problem, wenn Sie sich noch einmal registrieren. Meines Wissens nach gibt es keinerlei Beschränkungen.
Sie brauchen vor der Installation folgende Pakete:
sudo apt-get install xinetd build-essential linux-headers-$(uname -r) ia32-libs
Der neue Server braucht zwingend ein Root-Passwort, also müssen Sie eins mit
sudo passwd root
erstellen. Dann können Sie den Server installieren, indem Sie in das entpackte Verzeichnis gehen und das Skript aufrufen
./vmware-install.pl
Alle anfallenden Fragen können Sie erst einmal abnicken. Nach erfolgter Installation rufen Sie den Firefox auf und geben in die Adresszeile:
http://localhost:8222
ein – der Server fragt Sie nun nach Ihrem Benutzernamen (Root) und dem vorher angelegten Passwort.






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