25.3 Remote-Administration 

Rechner fernsteuern – das weiß nicht nur der Administrator zu schätzen, der seinen im Keller befindlichen Server warten muss.
Außendienstmitarbeiter wünschen sich einen sicheren Zugriff auf das Firmennetzwerk, und Anfänger lassen sich von Experten über einen Remote-Desktop helfen. Heutzutage gibt es unter Linux eine Vielzahl von Programmen, die den Zugriff auf einen entfernten Rechner vereinfachen.
25.3.1 Den Ubuntu-Desktop exportieren 

Im GNOME-Systemmenü finden Sie Vinagre über System • Einstellungen • Entfernter Desktop. Nach dem Starten des Tools (Abbildung) haben Sie die Möglichkeit, anderen Benutzern im Netz Ihren Desktop zur Verfügung zu stellen. Das ist z. B. in solchen Fällen interessant, wenn Sie Hilfe von einem Experten benötigen. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich, die Nachfrage sowie das Passwort für den Client zu aktivieren.
Vinagre ist seit Ubuntu 8.04 standardmäßig installiert und lässt sich durch mehrere Reiter parallel mehrere Verbindungen zu unterschiedlichen Servern aufbauen. Um Ihren Desktop zu exportieren oder einen anderen zu erreichen, benötigen Sie die IP-Adresse des entfernten Rechners, der auf dem dortigen Rechner mit dem Kommando ifconfig oder grafisch über einen Rechtsklick auf den Network Manager ermitteln lässt. Wählen Sie beim Rechtsklick den Punkt Verbindungsinformationen. Auf der Client-Seite müssen Sie nun in einer Konsole lediglich den Befehl
vinagre <Rechnername bzw. IP>:0
eingeben. Grafisch geschieht dies über Anwendungen • Internet • Entfernter Desktop. Nun müssen Sie gegebenenfalls das oben definierte Passwort eingeben und abwarten, ob der Desktop-Besitzer den Zutritt gewährt.
Abbildung 25.2 Export des GNOME-Desktops mit VNC
| Den Desktop über SSH exportieren |
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Nachdem Sie in Abschnitt gelernt haben, wie man mithilfe der Secure Shell SSH auf einen weiteren Rechner per Konsole zugreifen kann, soll |
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im Folgenden gezeigt werden, wie man auf diese Weise auch grafische Programme über das Netzwerk nutzen kann. Dazu wird ein sogenannter X-Tunnel via SSH aufgebaut. |
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Starten Sie den SSH-Server auf dem Zielrechner (das kann über eine Konsolenverbindung geschehen), und loggen Sie sich von dem Client-Rechner aus mittels |
| ssh –X <Benutzername>@<Rechnername> |
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ein. Das Benutzerpasstwort müssen Sie bei der Nachfrage eingeben. Durch den Parameter -X wird das sogenannte X-Tunneling aktiviert. Dadurch werden grafische Anwendungen (also: X-Anwendungen) auch auf dem Client korrekt dargestellt. Sie können nun einmal testweise ein grafisches Terminal wie z. B. das gnome-terminal durch Eingabe des gleichnamigen Befehls nach dem Einloggen starten. Das neu gestartete Programm sollte dann auf dem Display des Clients erscheinen. Anschließend können Sie komplexere Programme wie Firefox oder OpenOffice.org testen. Beachten Sie, dass für den Start von KDE-Programmen auf dem Client-PC die entsprechenden KDE-Bibliotheken installiert sein müssen. |
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Voraussetzung für derartige Experimente ist eine ausreichend schnelle Netzwerkanbindung beider PCs. Was im LAN flüssig abläuft, kann sich bei einer Modem- oder ISDN-Verbindung als viel zu träge für produktives Arbeiten erweisen. Hier schlägt die große Stunde des im nächsten Abschnitt vorgestellten NX-Servers bzw. -Clients. |
VNC
Der Export des Desktops basiert auf der Software VNC (Virtual Network Computing) und eignet sich hervorragend in pädagogischen Umgebungen, um Schülern, die Probleme mit der Software haben, unter die Arme zu greifen. Es gibt übrigens auch einen VNC-Viewer für Windows, mit dem auf einen laufenden Linux-Server zugegriffen werden kann. Sie finden das Programm unter www.realvnc.com/download.html.
Abbildung 25.3 Ubuntu von Windows aus fernsteuern
Dadurch sparen Sie sich teure Zusatz-Software, die Windows mit einem X-Server ausstattet, um per SSH-X-Tunneling auf einen Linux-Client zuzugreifen. Der umgekehrte Weg funktioniert übrigens auch ganz hervorragend (Abbildung).
Desktop-Export mit KDE
Auch KDE bringt einen entsprechenden Server mit, um per VNC die Oberfläche zu exportieren. Sie finden das entsprechende Programm unter System • Verbindung zu Fremdrechner • Arbeitsfläche freigeben. Das Frontend heißt krfb.
FreeNX
FreeNX ist der neue Shooting Star in der Szene, wenn es darum geht, grafische Benutzeroberflächen auf einem Client-PC auch über eine relativ schmalbandige Anbindung (z. B. Modem oder ISDN) zu nutzen. Wer jemals probiert hat, KDE über das im vorigen Abschnitt beschriebeneVNC-Interface per Modem fernzusteuern, weiß, wovon die Rede ist. Der quälend langsame Aufbau der Fenster sowie die kaugummizähen Reaktionen der Maus lassen hier keine wirkliche Freude bei der Remote-Desktop-Nutzung aufkommen.
NX von Nomachine
NX wurde von der Firma Nomachine entwickelt. Der Client zur Verbindung mit einem NX-Server ist kostenlos, die Server-Software selbst ist kostenpflichtig. Der Knoppix-Entwickler Fabian Franz hat zusammen mit Kurt Pfeifle den quelloffenen, freien FreeNX-Server programmiert, der mittlerweile auch für Ubuntu erhältlich ist.
Der unglaublich schnelle Aufbau des Desktops sowie die unmittelbare Reaktionsfähigkeit beruhen auf den folgenden technischen Kniffen:
- Die Übertragung der grafischen Daten mit dem X-Protokoll erfolgt in Verbindung mit einer ausgeklügelten Datenkompression.
- Häufig benutzte grafische Elemente des Desktops werden lokal gespeichert (gecachet).
- Im Gegensatz zu VNC wird nicht der gesamte Desktop übertragen, sondern immer nur kleine Änderungen. Das Verfahren ist im weitesten Sinne vergleichbar mit dem MPEG-Kompressionsverfahren im Videobereich.
Die genannten Eigenschaften führen zu einer wesentlich geringeren CPU-Belastung auf der Server-Seite. Unter Ubuntu wird FreeNX folgendermaßen konfiguriert: Zunächst ist es notwendig, ein externes Repository in die Paketverwaltung einzubinden. Dazu ergänzen Sie die folgende Zeile in der Datei /etc/apt/sources.list:
deb http://ppa.launchpad.net/freenx-team/ubuntu jaunty main deb-src http://ppa.launchpad.net/freenx-team/ubuntu jaunty main
Nun können Sie mithilfe von Synaptic oder auf der Kommandozeile via sudo apt-get freenx das Paket freenx installieren.
Es sind hier an NX keine Konfigurationen nötig um die Funktion zu gewährleisten. Wenn Sie trotzdem spezifische Konfigurationen vornehmen möchten, müssen Sie die folgende Datei /etc/nxserver/node.conf editieren. Sie haben hier beispielsweise Zugriff auf die Art des Schlüsseltyps und können weitere Nutzer hinzufügen.
Als Schlüsseltyp empfiehlt sich die Verwendung des Nomachine-Keys. Nun sollten Sie einen bestehenden Systembenutzer dem NX-Server bekannt machen und dessen Passwort setzen:
sudo nxserver --adduser <Benutzername> sudo nxserver --passwd <Benutzername> NX> 100 NXSERVER – Version 1.4.0-45-SVN OS (GPL) New password: Password changed. NX> 999 Bye
Jetzt können Sie sich bereits mithilfe eines NX-Clients auf dem Rechner einloggen.
| NX-Client für Windows |
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Windows-Anwender laden den freien Client von der Seite www.nomachine.com herunter und installieren diesen. Die Konfiguration der Clients ist selbsterklärend. Zur Aufnahme der Verbindung muss die oben gesetzte Login-Passwortkombination eingegeben werden. Als Desktop-System wird GNOME definiert (Abbildung). Nun können Sie sich auch unter Windows an der äußerst flotten Remote-Verbindung erfreuen. |
Abbildung 25.4 Konfiguration des NX-Clients, hier die Windows-Variante
25.3.2 Reverse-VNC 

Was tun Sie, wenn wie heutzutage üblich das NAT eines Hardware-Routers Ihnen den Zugriff auf einen entfernten Rechner verweigert? Die Lösung dazu nennt man »Reverse-VNC«. Dabei baut der VNC-Server zu einem VNC-Client eine Verbindung auf. Auf der Server-Seite ist somit keine Port-Weiterleitung nötig. Beachten Sie aber, dass die Port-Weiterleitung auf dem Server und der Einsatz von DynDNS selbstverständlich weiterhin nötig sind.
Port-Weiterleitung
Sollten Sie selbst hinter einem Router sitzen, so müssen Sie einen Port vom Router auf den eigenen Rechner weiterleiten. Üblicherweise ist dies für VNC der Port 5500.
Um Reverse-VNC nutzen zu können, muss die eigene Internet-IP-Adresse mit dem Programm fest verknüpft werden. Da die meisten DSL-Anbieter jedoch spätestens nach 24 Stunden die Einwahlverbindung trennen und beim erneuten Aufbau der Verbindung eine neue IP-Adresse zugewiesen wird, macht es hier wenig Sinn, eine IP-Adresse einzutragen.
DynDNS
Mithilfe eines DynDNS-Dienstleisters verknüpfen Sie die eigene Internet-IP-Adresse mit einem Domain-Namen. Ein Programm auf dem eigenen Rechner/Router aktualisiert die IP-Adresse nach einem Wechsel beim DynDNS-Provider. Dadurch ist Ihr Rechner immer unter einer festen URL zu erreichen.
Der VNC-Server
Um es dem Gegenüber so leicht wie möglich zu machen, erstellen Sie einen VNC-Server, der einfach nur ausgeführt werden muss. Linux bringt standardmäßig alles mit. Wichtig ist lediglich die Installation des x11vnc-Servers:
sudo apt-get install x11vnc
Danach muss nur ein Kommando ausgeführt werden.
x11vnc -connect dyndns.example.com
Voerher sollte der VNC-Client im Listen-Modus gestartet sein.
vncviewer -listen
Und schon sehen Sie Ihren Desktop.







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