4.3 DNG – das Standard-RAW-Format? 

Für RAW-Dateien gibt es kein standardisiertes Dateiformat. Das bedeutet, dass jeder Kamerahersteller sein eigenes RAW-Format erzeugen kann. Und das geschieht auch: Es existieren Dutzende verschiedene Formate mit Namen wie NEF (Nikon Exposure Format) von Nikon, CRW (Canon RAW-Format), ORF (Olympus RAW-Format) und viele mehr.
Abbildung 4.14 Der DNG-Konverter von Adobe konvertiert RAW-Daten diverser Hersteller in das DNG-Format.
Das macht auch Sinn, denn RAW-Daten werden in der Kamera mit diversen kameraspezifischen Parametern in JPEG-Bilder umgerechnet. Hier sind je nach Modell unterschiedliche Einstellungen möglich. So können sogar Kameras von einem Hersteller unterschiedliche RAW-Daten erzeugen.
Der Computer bietet größere Ressourcen an als der kleine Prozessor der Kamera, was einen größeren Funktionsumfang in der Entwicklungssoftware möglich macht. Auch hier gibt es kein Standardprogramm. Vielmehr liefert jeder Hersteller auch eine Software zur Bearbeitung mit, die dann nach offiziellen Informationen besonders gut zu dem nativen RAW-Format der Kamera passen soll.
Das wirft jedoch einige Probleme auf. Ist man mit dem Funktionsumfang der Software des Herstellers nicht zufrieden, hat man zunächst keine Möglichkeit, mit einem anderen Programm zu arbeiten. Denn viele Hersteller geben die Spezifikationen ihrer RAW-Formate nicht frei und verhindern so, dass unabhängige Hersteller eventuell bessere Programme entwickeln können.
Ein weiteres Problem ist die Langzeitarchivierung. Neuere Programme unterstützen eventuell alte Kameratypen nicht mehr, oder die mitgelieferte Software läuft nicht mehr auf einem Rechner mit dem neuesten Betriebssystem.
Aus all diesen Gründen ist es aus Benutzersicht wie auch aus Sicht der Softwarehersteller erforderlich, dass ein herstellerneutrales, auf Langzeitarchivierung ausgelegtes RAW-Format entwickelt wird.
Den Anfang machte dabei Adobe mit dem DNG-Format, und das mit großem Erfolg.
| Kompression der RAW-Daten von Nikon | |
| Nikon-Kameras ermöglichen eine Kompression der RAW-Dateien im NEF-Format. Diese soll visuell ein verlustfreies Ergebnis liefern. Die Daten werden je nach Helligkeit anders komprimiert. Vor allem helle Stellen werden stärker zusammengerechnet. Dies kann jedoch zu einem Verlust an Zeichnung führen – vor allem bei stärkeren Helligkeitskorrekturen. Für die Anwendung des Grundsatzes »besser etwas heller belichten« kann dies problematisch sein. |
4.3.1 DNG (Digital Negative) 

Adobe hat mit DNG ein RAW-Format geschaffen, das alle Anforderungen an die RAW-Technologie erfüllt. Das Format beinhaltet einen Container für die Metadaten und einen für die RAW-Bilddaten. Die Bilddaten selbst werden so wie in den meisten anderen RAW-Formaten als TIFF gespeichert. Dieses kann auch Informationen speichern, die von seinem Standard abweichen, und somit auch herstellereigene Daten berücksichtigen.
In den Metadaten werden alle Informationen abgelegt, die zur Weiterverarbeitung der Daten benötigt werden. Dazu zählen nicht nur die für uns »informativen« Daten zu Kamera, Objektiv etc., sondern auch rein technische Daten, die ganz spezifische Aufnahmedaten enthalten und zur Weiterverarbeitung erforderlich sind – wie zum Beispiel die Bit-Tiefe (meistens 12 Bit), defekte Pixel (diese werden dann interpoliert), Linearisierung, Kompression etc.
| TIPP |
| Auf der DNG-Website von Adobe (http://www.adobe.com/products/dng/) erfahren Sie, welche Programme und Kameras das DNG-Format unterstützen. Einige Kamerahersteller erzeugen sogar direkt DNG-Dateien. |
4.3.2 Probleme von DNG 

Doch wie wird aus einem herstellereigenen RAW-Format wie CR2 nun eine DNG-Datei? Um ein DNG zu erzeugen, müssen die RAW-Dateien der Kamera in das DNG-Format konvertiert werden. Da dies natürlich nicht durch die herstellereigene Software erledigt wird – die meisten Hersteller wollen an ihren nativen Formaten festhalten –, gibt es dafür den DNG-Konverter von Adobe. Diesen kann man frei im Internet unter http://www.adobe.com/de/dng/ herunterladen. In Lightroom ist er jedoch schon fest integriert.
Bei jeder Neuerscheinung einer Kamera muss ein neues, herstellereigenes RAW-Format in den DNG-Konverter integriert werden. Daher dauert es in der Regel einige Zeit, bis eine entsprechende, alle neuen Kameramodelle unterstützende Version des Konverters verfügbar ist. Auch von Lightroom erscheint aus diesem Grunde alle paar Monate eine neue Version mit der Unterstützung neuer RAW-Kameraformate.
Darüber hinaus haben viele Hersteller ihre eigenen RAW-Spezifikationen nicht veröffentlicht. So können eventuell nicht alle Informationen erkannt und richtig interpretiert werden. Aus diesem Grund sprechen einige Brancheninsider von einem verlustbehafteten Format und stellen DNG in Frage. Ob die zusätzlichen Daten jedoch Einfluss auf die Bildwirkung bzw. Darstellung haben, ist fraglich.
| Welche Blende liefert das schärfste Bild | |
| Der kreisförmige Querschnitt von Linsen führt zur sphärischen Aberration, die ein scharfes Bild mit einem unscharfen überlagert. Wird die Blende geschlossen, werden die schräg einfallenden Strahlen reduziert, was die Bildschärfe erhöht.
Bei der Reduzierung der Blendenöffnung wird das Licht an den Rändern der Blende jedoch gebeugt, was die Schärfe wiederum reduziert. Sowohl eine offene Blende als auch eine zu geschlossene Blende erzeugen eine leichte Unschärfe. Die Verwendung einer mittleren Blende erzeugt daher die besten Ergebnisse – das entspricht bei Spiegelreflexkameras etwa der Blende f5.6, f8 bis f11. |
4.3.3 Arbeiten mit DNG 

DNG wird von Adobe als offenes RAW-Format propagiert. Da es aber aufgrund der erwähnten Einschränkungen nicht hunderprozentig »verlustfrei« ist, gibt es für den Umgang damit die folgenden Optionen:
Mit Originaldateien arbeiten | Man verzichtet auf die Konvertierung in das DNG-Format und arbeitet mit der RAW-Datei der Kamera. Allerdings hat man in Lightroom dann auch nicht Zugriff auf alle Daten, da die vom Hersteller unveröffentlichten Funktionen nicht in die Bearbeitung einfließen können. Man muss dann gegebenenfalls auf die herstellereigene RAW-Software ausweichen.
Originaldaten einkapseln | Man integriert die RAW-Daten in das DNG als gekapselten Teil. Dabei werden die Bilddaten jedoch sehr groß, da nicht nur die DNG-Daten, sondern auch die Originaldaten in einer Datei gespeichert werden.
Originaldateien archivieren | Man konvertiert einfach alle Bilder in DNG und speichert die Originaldaten extern ab. Werden diese sofort auf CD gebrannt, nehmen sie keinen Platz auf dem Rechner ein und können später wiederhergestellt werden. Dabei besteht jedoch die Gefahr, dass die CDs vorher Schaden nehmen oder verschleißen.
Konsequente DNG-Konvertierung | Die letzte Möglichkeit ist die radikalste: Man konvertiert alle RAW-Bilder in DNG, vernachlässigt den Datenverlust und löscht die Originaldateien. Das ist sicher die platzsparendste Methode, für Qualitäts- und Kontrollfreaks aber ein Graus. Ich persönlich arbeite mit dieser radikalen Variante. Bis jetzt konnte mir niemand den Beweis dafür erbringen, dass die Qualität eines DNG schlechter ist als die der Originaldaten. Ich habe mit dieser Methode noch keine echten Nachteile erlitten.





bestellen


